Aktuelles

Tamon Yashima(*1991): Zwischen Verwahrlosung, Schmalz und Hochspannungsleitungen (UA)

Emanuel Wittersheim(*1989): a metaphysical manifestation of weather and telephones (UA)

Frederic Rzewski(*1938): holes (1993)

Yannis Kyriakides(*1969): trench code (2015)

27.10.2018, 19:30, Musikhochschule Münster

04.11.2018, 20:00, domicil, Dortmund

09.11.2018, 20:00, Musiksaal der Universität Siegen

Gefördert durch:

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Landschaftsverband Westfalen-Lippe

Nähere Info zum Programm:

Tamon Yashima: Zwischen Verwahrlosung, Schmalz und Hochspannungsleitungen (UA)

Hilflos und Überfordert: So könnten Menschen auf die unüberschaubare digitale und urbane Welt reagieren. Das 21. Jahrhundert erlebt einen unerschöpflichen Reichtum an Medien, Kulturen, Lebensformen und Wissen. Schreie, Musik, Baustellen und knallige Werbungen überwältigen den Menschen. Diese Überforderung ist eine Inspirationsquelle für den Essener Komponisten Tamon Yashima. Musikalische Analogien findet er in harten Schnitten, schrillen Klängen und Ballungen verschiedenster Musikrichtungen. Hinzu kommen Zuspielbänder mit Aufnahmen von Maschinen und Straßenlärm, sowie Materialen aus Internetplattformen wie beispielsweise Youtube. Das elektronisch verstärkte Ensemble schwimmt in einem Bereich zwischen akustischen, elektronischen und verzerrten Klängen.

Der Komponist arbeitet auch mit der Überforderung der Musiker: Das komplette Werk besteht aus verschiedenen Modulen, die in jedem Konzert in einer anderen Reihenfolge gespielt werden können. Die Module können aus kleinsten Schnipseln bis hin zu längeren Improvisationssessions bestehen. Der Computer entscheidet durch verschiedene Parameter, welche Module aneinander gereiht werden. Dadurch bekommt jede Version eine eigene Dramaturgie. Die Musiker spielen nahezu ein Computerspiel: Sie müssen Blitzschnell reagieren und das Richtige zum richtigen Zeitpunkt spielen, sonst heißt es: „Game Over“.

Emanuel Wittersheim: a metaphysical manifestation of weather and telephones (UA)

Ha ha.
System?
Organs?
Tissues?
Cells?
Who needs
them, when I
am just …

Teilen wir zunächst das Ensemble in drei Gruppen, wobei jede Gruppe jeweils eine Einheit bildet. Nun sollen bestimmte Parameter vom Computer analysiert werden: Tonhöhen, Dauern, Lautstärken, Geräuschanteil usw. Scheitern als besonderer Reiz, denn was ist DIE Tonhöhe einer ganzen Gruppe von Spielern. Drei identische, elektronische Instrumente sind den Gruppen zugeordnet, gesteuert durch eben jene Analysewerte.

Und nun: spielet mit und gegen die Technik, soliert, improvisiert, bringt den Computer dazu, bestimmte Klänge zu generieren, auf die Ihr, sobald sie eintreten, wieder eingeht (oder auch nicht).

„Als Ausgangspunkt wähle ich das Hôtel des Grands Hommes, Place du Panthéon, wo ich gegen 1918 wohnte, und als Etappe das Manoir d’Ango in Varengeville-sur-mer, wo ich mich, fragloch immer noch derselbe, im August 1927 befinde; das Manoir d’Ango, wo man mir anbot, ich könnte mich, wenn ich ungestört sein wollte, in einer künstlich mit Gestrüpp verkleideten Hütte aufhalten, am Rand eines Waldes, wo ich mich nach Lust und Laune beschäftigen und auch auf Uhu-Jagd gehen dürfte.“ (André Breton)

Frederic Rzewski: holes

Frederic Rzewski lässt in seinem Stück holes im Wechsel zwischen notierten Passagen und „games“ die Musiker mittels eines umfangreichen Signalsystems an der Gestaltung des Stücks teilhaben.

Yannis Kyriakides: trench code

Zur 100-Jahr-Feier des Endes des 1. Weltkriegs bekommt Yannis Kyriakides’ Stück „trench code“ eine besondere Aktualität: In dem Stück nutzt Kyriakides drei verschiedene Codebücher, die im 1. Weltkrieg von amerikanischen, britischen und deutschen Soldaten zur Chiffrierung der Kommunikation in den Schützengräben genutzt wurden und entwickelt daraus 3 interaktive Videos die als Partitur für das Ensemble dienen. Jedes Video basiert auf einem der Codebücher welche graphisch präsentiert werden und in musikalisches Material transformiert werden. Mit consord wird der Komponist eine neue groß besetzte Version erarbeiten, in der das Ensemble räumlich aufgeteilt wird.